Auch der Verlierer wird noch belohnt

Volleyball – Heimische Trainer begrüßen überwiegend die neue Drei-Punkte-Wertung – Wunsch nach Unentschieden

Gesprächsbedarf

Gesprächsbedarf besteht bei Trainer Harald Muschner und den Landesliga-Volleyballerinnen von Blau-Gelb Groß-Gerau, denn ab der nächsten Saison soll bis in die untersten Klassen die neue Drei Punkte-Wertung eingeführt werden, nach der auch der Verlierer unter Umständen noch Zähler bekommt. Foto: Uwe Krämer

 

Ab kommender Saison 2013/14 werden von der Bundesliga bis zur Kreisklasse für einen 3:0- oder 3:1-Sieg drei Zähler vergeben. Bei Fünfsatzspielen erhält der Gewinner zwei Punkte, der Verlierer einen Punkt.
Dies hat der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) am vergangenen Wochenende entschieden. Unsere Mitarbeiterin Gabi Wesp-Lange befragte dazu mehrere Trainer aus dem Kreis.Claude Weber, Co-Trainer von Männer-Zweitligist TG Rüsselsheim: „Das ist eine positive Sache, die Regelung an die Champions League anzugleichen. Denn es ist keiner Sportart förderlich, unterschiedliche Regularien in verschiedenen Klassen zu haben. Generell finde ich die Drei-Punkte-Wertung gut. Denn wenn man zwei Drittel einer Partie gut spielt, aber am Ende mit leeren Händen dasteht, ist das schon sehr ärgerlich. So bekommt man wenigstens einen Punkt. Allerdings können sich dadurch nun starke Mannschaften schneller absetzen. Dass die Drei-Punkte-Wertung kommt, hatte ich erwartet, da das schon länger in der Diskussion ist. Aber dass sie bereits nächste Saison eingeführt wird, hat mich doch überrascht. Ich hatte mit übernächstem Jahr gerechnet.“

Christof Nungesser, Trainer von Frauen-Landesligist SKV Mörfelden und Bezirksschiedsrichterwart: „Prinzipiell finde ich das okay. Denn es gibt eine Reihe von Spielen, bei denen ein Unentschieden gerecht wäre. Mit der neuen Regelung wird man immerhin mit einem Punkt belohnt. Aber es gibt auch einen Haken: Rein theoretisch kannst du alle Spiele gewinnen und wirst trotzdem nicht Erster. Man müsste mal rechnen, wie sich eine Drei-Punkte-Wertung vergangene Saison auf den Tabellenstand ausgewirkt hätte. Das greift schon massiv in den Spielbetrieb ein.“Raimund Jeuck, Trainer verschiedener Aktiven- und Jugendmannschaften der TG Rüsselsheim sowie Landes-Auswahltrainer: „Es ärgert einen immer, dass es im Volleyball kein Unentschieden gibt. Deshalb finde ich es hervorragend, sich nun durch gute Leistungen ein paar Punkte mehr erspielen zu können. Dann geben Mannschaften mehr Gas. Nachteile sehe ich keine. Noch besser fände ich es allerdings, Vier-Satz-Spiele einzuführen, bei denen immer vier Sätze ausgetragen werden. Dann ist auch ein Unentschieden möglich.“Frank Dinges, Trainer von Männer-Landesligist TSV Ginsheim: „Ich habe dazu keine sehr differenzierte Meinung. Mir ist das einfach egal. Ich glaube auch nicht, dass sich dadurch am Ende der Saison in einer Tabelle viel verändert. Interessanter finde ich, dass die Doppelberührung beim ersten Pass wieder verboten werden soll.“Wolfgang Muschner,Trainer von Frauen-Landesligist Blau-Gelb Groß-Gerau und Jugendcoach: „Schnell aus dem Bauch heraus finde ich die Idee gut. Die Mannschaft, die im Tiebreak verliert, bekommt zum Trost einen Punkt. Da bei Fünf-Satz-Spielen beide Mannschaften oft nahezu die gleiche Leistung zeigen, ist es schon gerecht, wenn der Verlierer noch einen Punkt erhält. Bis jetzt sehe ich keinen Nachteil in der neuen Wertung, aber den kann es sicherlich geben.“Mike Kleemann, Spielertrainer von Männer-Landesligist FC Leeheim: „Einheitliche, internationale Systeme haben schon ihren Reiz. Aus eigener Erfahrung stimme ich dem Wechsel zur Drei-Punkte-Wertung zu. Dieses System belohnt eine fast gleichstarke Mannschaft. Wenn ein Spiel wie unseres am Sonntag in Zellhausen so knapp verloren geht, dann wünsche ich mir für die Mannschaft schon einen Trostpunkt. Es gibt nun mal beim Volleyball kein Unentschieden.“


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